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"Wenn die Schneeglöckchen blühen... oder die Geschichte vom höher gebauten Zaun

Erfahrungsbericht von Katja, 46 Jahre alt, Kinder im Alter von: 12,9

Ich wuchs in tiefsten DDR- Zeiten auf, wo es gang und gäbe war, seine Kinder schon sehr jung in die Kinderkrippe zu bringen. Meine Eltern tickten da etwas anders- Gott sei Dank! Mein Vater war Milchfahrer und beobachtete jeden Morgen gegen 6 Uhr auf's Neue das Drama der weinenden, schreienden Kinder, die hektisch von ihren Müttern hinterhergezogen wurden, um in die Kinderkrippe oder den Kindergarten zu gelangen. Diese Bilder bewegten ihn sehr und somit durften wir Kinder bis auf Weiteres zu Hause bleiben und einfach Kind sein.

Langweilig war es nie mit Mama im Stall bei Schweinen, Hühnern, Pferden, Katzen und Mäusen. Es hätte ewig so weiterlaufen können, wenn da nicht Vater Staat gekommen wäre... Plötzlich war es Pflicht, das Kind mindestens 3 Monate in den Kindergarten zu schicken bevor es eingeschult wird. Ich mochte den Gedanken nicht, irgendwo hin zu müssen, wo ich keinen kenne und habe auch keinen Sinn darin gesehen. Oft fragte ich meine Mutter, wann ich da hin muss und ihre Antwort war "wenn die Schneeglöckchen blühen". Oh man, wie gern hätte ich jedes einzelne dieser Glöckchen rausgerissen nur um nicht an diesen Ort, genannt Kindergarten, gehen zu müssen.

Meiner Mama riss es fast das Herz heraus, als sie mich Tag für Tag abgeben mußte. Natürlich weinte ich bitterlich und zögerte jede Minute hinaus, die ich nur konnte. Es half nichts: ich mußte einige Vormittage im Kindergarten verbringen, aber nicht alle... Hin und wieder gelang es mir, die Erzieher auszutricksen. Ich schlich mich klammheimlich aus dem Gruppenraum, um auf's Klo zu gehen. Auf dem Weg dahin versteckte ich mich hinter einem Vorhang, um einen guten Augenblick abzupassen und raus durch die große schwere Tür zu schlüpfen. Ich kletterte über den Gartenzaun und rannte so schnell ich konnte nach Hause und versteckte mich erneut, aber diesmal im Pferdestall :)

Diese Fluchtversuche gelangen mir des öfteren und meine Mama behielt mich dann auch immer daheim. Die Erzieher wurden dadurch natürlich in Angst und Schrecken versetzt. Sie sagten zu meiner Mutter: "Nein, so ein Kind hatten wir bis jetzt noch nicht. Klettert sie einfach über den Zaun und verschwindet."
Diese Zeit des Versteckens und Fliehens hat sich so tief in mein Herz eingebrannt, dass ich das meinen Kindern ersparen wollte- und durch Gottes Gnade auch konnte.

Ich hatte das Glück, eine Mama zu haben, die mich zuhause wollte. Somit wußte ich, da gibt es einen Ort, an den ich in meiner kindlichen Not fliehen kann- da bin ich willkommen. Danke Mama!
Mein Mann, selbst ein Krippenkind, hat mich total in meinem Wunsch, Mama und Hausfrau zu sein, unterstützt. Dafür bin ich ihm unendlich denkbar!
Als ich später wieder einmal am Kindergarten vorbeikam, bemerkte ich, dass der Zaun jetzt doppelt so hoch war wie zuvor. Man wollte sicher vorbeugen... :)

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