„Frau Ernst, das hätten wir von Ihnen nicht gedacht.“ Wie bitte? Nein, ich war nicht kriminell geworden oder dergleichen. Pflichtgemäß meldete ich im 4. von 5 Regelstudienjahren meine Schwangerschaft. Das verband ich mit der Äußerung, unser Kind nicht nach der Geburt
verwahren zu lassen, allenfalls länger zu studieren. Als direkte Reaktion folgten angedrohte, durchgeführte und wieder zurückgenommene Exmatrikulation von uns beiden werdenden Eltern.
Wir Übeltäter studierten an einer Einrichtung. Mit Kontaktverbot zu den Kommilitonen plus Sonderstudienplan kam man uns entgegen. Später vervollkommneten u.a. Kontosperrungen, Stromabschaltungen sowie unregelmäßiger Besuch eines unfreundlichen Herren das Bedrohungspotenzial. Warum? In dieser auserwählten, extrem kleinen Einrichtung herrschte Kadavergehorsam in der Hoffnung auf Teilhabe gleich auf etwas Extravaganz im
grauen DDR-Alltag.
Offen für ein selbstbestimmtes Familienleben einzutreten, verstimmte folglich Lehrkörper, Mitstudenten, vermeintliche Freunde bis hin zu Teilen der eigenen Familie. Gefahr und Spiegel zugleich. Das Leben geht weiter und schert sich NICHT um zeitweise erfundene Regeln. Für das Leben in und mit Familie entschieden wir uns und trugen die Konsequenzen, diese uns letztendlich stärkten. Wie? Ja, es stärkte, weil man uns mehr oder weniger zwang, über Sinn und
Zweck vieler Dinge nachzudenken! Nicht Angst sollte unser Familienleben bestimmen! Im Grunde gründete unsere Entschlossenheit in stetiger Bedrohung, in empfundener Hilflosigkeit wie Verzweiflung. Was motivierte uns? 3.970g Glück!
Eine frühkindliche Fremdbetreuung – nie! Kindergarten – Spielzeit okay! Niemals aufgeben, weiter versuchen, den fachlichen Aufgaben nachkommen. Neugierig für andere Positionen wie Lebensweisen sein, half gegen das Gefühl der Einsamkeit. Und Lesen, Lesen – querbeet Lesen, dazu Reflektieren! Wir mussten unsere beruflichen Intensionen nicht aufgeben. Der Druck stieß
uns ins effektivere Lernen und Arbeiten sowie ins Abwägen der Prioritäten im Leben. Mit dieser Einstellung durchstanden wir auch die sogenannte Wendezeit. Seit über 30 Jahren arbeiten wir in unserem Wunschberuf, haben Tiefschläge, Lügen und Kriminalität erfahren, ebenso Erfüllung, Anerkennung und interessante Begegnungen erlebt. Unser familiäres Glück, unser selbstbestimmtes Familienleben, stand und steht darüber. Und voller Stolz stellen wir uns inzwischen folgend vor – 2 Kinder, 2 Schwiegerkinder und 2 Enkel.