Ich habe im Kindergarten gekündigt. Ende 2019 haben wir erfahren, dass unser Kindergarten sein bindungsorientiertes Konzept, das ich maßgeblich mit erarbeitet hatte, umstellen wird. Zukünftig wird es 30 Krippenkinder und 90 Kindergartenkinder geben, die den ganzen Tag ohne Bezugserzieherin und ohne eigenen Gruppenraum durch sogenannte Funktionsräume ziehen sollen. Die Aufgabe der Kindergärtnerin ist das Führen der Aufsicht in jeweils dem Raum, in dem sie an dem Tag Dienst hat. Bei 18 Erzieherinnen ist die individuelle Begegnung mit einem Kind sozusagen dem Zufall überlassen. Mir wurde zwar zugesichert, ich könne meine Kunstwerkstatt behalten... Das hat mich in Versuchung geführt, aber letztendlich habe ich mich von meiner wunderbaren Kunstwerkstatt innerlich verabschiedet.
Bei meiner Verabschiedung hat die Kitaleiterin gesagt, meine größte Stärke wäre die liebevolle Begegnung mit jedem einzelnen Kind gewesen. Und wie so oft im Leben, sei die größte Stärke auch zugleich die größte Schwäche. Da wusste ich, dass ich richtig entschieden habe, denn ein System, in dem Liebe Schwäche ist, möchte ich nicht durch meine Mitarbeit unterstützen.