Ein Studentenpaar, welches Mitte der 80er ihr Kind nicht in einer Kinderkrippe verwahren lies, hatte Seltenheitswert. Ein Kraftakt, den wir Dank unserer festen Überzeugung durchstanden.
Mein Mann und ich erlebten eine DDR-Kindheit jeweils im Schutz der Familie. Frühkindliche Fremdbetreuung samt anderer Versuche der Einflussnahme des Systems wurden mit viel Kreativität, Engagement und Opferbereitschaft verhindert.
So starteten wir unseren Einstieg in die sozialistische Schule auf Grundlage einer verlässlichen Familienbindung. Diese Schulbildung verband neben der strukturierten Vermittlung von Sachwissen gleichgestellt gesellschaftspolitische Schulung und Indoktrination. Das Überstehen (oder genauer das Widerstehen) dieser Dauerbeschallung forderte von einem jungen Menschen fortdauernden Spagat zwischen Herdentrieb und Familie. Liebe plus Bindung standen damals außer Frage. Nichts anderes als die erfahrene Familie versuchten wir weiterzugeben – Verbundenheit und Sicherheit. Eine Fremdbetreuung im Kleinkinderalter unserer beiden Kinder war für uns keine Option. Die vormittäglichen Spielstunden eines Kindergartens nutzten sie später gern.
Auswüchse und Folgen sehr früher Fremdbetreuung in den 70er und 80er zeigten sich bereits in der DDR, sofern Interesse oder Sensibilität für dieses Thema bestand. Das Vorleben unserer Eltern, außerdem in unserem Fall unserer älteren Geschwister, prägte uns. Familie, Nachbarschaft dazu Bekanntenkreis – unsere praxisbezogene Lebensschule, welche unser Leben als Paar und als Familie beeinflusste. Eine Entscheidung für Kinder und Familie war und ist immer eine Entscheidung zu einer Lebensform, verbunden mit mehr oder weniger Einfluss auf
die Berufstätigkeit- abgesehen von den finanziellen Spielräumen. So verlief es Mitte der 80er, in den Zeiten der Wende und sicher seit der Zeit, in der der Alltag zunehmend segmentiert wurde – Familie da, Erwerbsarbeit dort. Später, mit materiell gesicherter Existenz kam ein zusätzlicher Bereich, die Freizeit, hinzu.
In keiner Weise bereuen wir unsere Lebensplanung. Es mag befremdlich anmuten, wenn ich schreibe, dass wir uns beide mit den negativen Aspekten zu arrangieren lernten. Dennoch ist es so. Kinder, also Einlassen auf neues Leben gibt Kraft, zwingt zur Ruhe, zu Einhalt, zur Konzentration auf das Wesentliche sowie das Besondere im Augenblick. Dabei entstehen Kräfte
und Energien zugleich Perspektiven, welche wir ohne Kinder nie hätten erfahren dürfen. Ein entspanntes Umgehen im Umfeld, in der Nachbarschaft, in der Familie zugleich etwas Nachsicht hinsichtlich anderer Positionen schafft zusätzlich fassbaren, ja sogar empfundenen Freiraum.