Wie begegnet man aber einem traumatisiertem Kleinkind? Leider muss ich gerade diese Erfahrung machen. Das Kind wurde mit 12 Monaten bei einem längeren Krankenhausaufenthalt mit seiner Mutter durch verschiedene falsche Behandlungen traumatisiert. Kam dann im Alter von 17 Monaten zur Eingewöhnung in eine Krippe. Die im Laufe der Zeit einige Tage lang überhaupt nicht gelang. Von widersprüchlichen Aussagen der Erzieher "er hat nicht geweint, er hat gegessen", bis hin zu einzelnen Beobachtungen der Mutter, dass ihr weinendes Kind nicht auf den Arm genommen wurde, war alles dabei. Ein schreiendes Kind, welches beim Betreten der Einrichtung nur noch panikartig eine Ausgangstür suchte, veranlasste die Mutter dann zur sofortigen Kündigung. So landeten sie dann bei mir...
Papa saß geduldig und einfühlsam jeden Tag - wochenlang bei mir. Das Kind löste sich auch in seinem Beisein anfangs nur schwer von ihm. Ich hatte den Eindruck er steht unter permanenter Anspannung, die er versucht mit ständigem Auf- und Abhüpfen abzubauen. Dazu braucht er meist sein eigenes Spielzeug in seinen Händen zum Festhalten. Manchmal wird er aggressiv, schubst die anderen Kinder aus dem Weg oder schmeißt mit Spielsachen um sich. Es scheint, als hätte er nie Hunger oder Durst und ist ständig erschöpft. Er isst und schläft zu Hause auch nicht viel.
Nach einiger Zeit hat er Vertrauen zu mir gefasst, ließ sich trösten, spielte mit mir, trank aus seinem Becher, aß eine Kleinigkeit. Papa konnte es kaum fassen, dass es doch so schnell ging, nach allem, was sie erlebt hatten. Er winkte ihm sogar beim Abschied, ohne Tränen. Wir begrenzten die Betreuung auf 2 Stunden, was auch super lief, bis zum ersten Mittagessen. Die Knirpse sitzen auf kleinen, kindgerechten Stühlen an einem kleinen Tisch und essen selbstständig. Was ich dann erlebte, war nur schwer zu ertragen. Diese gesamte Essenssituation triggerte den kleinen Kerl dermaßen, ich versuchte nur ständig ihn ins Hier und Jetzt zurück zu holen. An Essen und Trinken war natürlich nicht zu denken. Auch die anderen Tageskinder standen völlig unter Stress. Ich funkte sofort Papa an, der schnell vor Ort war.
Da keiner weiß, was er wirklich in der Krippe erlebt hat, nehme ich an, dass er dort zum Essen gezwungen wurde. Nach diesem Erlebnis fingen wir leider wieder fast von vorn mit der Eingewöhnung an - langsam und vorsichtig. Einige Tage sind vergangen, er weint jetzt bei jedem Abschied- nicht lange, aber im Spiel schon auch mal. Deshalb waren wir viel draußen letzte Woche und hatten dann ein Riesenerfolgserlebnis: er hat ohne Weinen mit am Tisch gesessen. Nachdem er den anderen beim Essen eine Weile zugeschaut hat, hat er tatsächlich auch ein paar Löffel gegessen. Das war ein unbeschreibliches Gefühl.
Das Allerwichtigste, wenn schon eine Trennung von den Eltern in der frühen Kindheit sein muss, sind Achtsamkeit die Bedürfnisse zu erkennen, Sicherheit, Verlässlichkeit, Ruhe, transparente Strukturen, Rituale, Geborgenheit und meine konstante Anwesenheit.