Meine Hochachtung für alle Eltern, die sich entgegen diesem Trend entscheiden, ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren (und darüber hinaus) das Beste zu geben: sich selber!
Seit 34 Jahren arbeite ich als Erzieherin in Kindergärten - glücklicherweise die ganze Zeit mit Kindern über drei Jahren. Von daher kann ich aus eigener Erfahrung nichts über die Arbeit mit Ein- oder Zweijährigen schreiben. In der Einrichtung, in der ich jetzt seit 19 Jahren tätig bin, hat man bei der Gründung entschieden, keine U3 Kinder zu nehmen. Die Gründe für diese Entscheidung kann man auf dieser Webseite nachlesen: https://www.kindergarten-am-leuchtturm.de/
2 oder 3 Mal jedoch mussten wir Kinder wegen familiärer Umstände ein paar Monate vor ihrem 3. Geburtstag aufnehmen. Es war schon herzzerreißend mit anzusehen, wie lange diese Kleinen weinend am Fenster standen, um noch einen letzten Blick auf die Mama zu erhaschen. Es kommt natürlich vor, dass auch Drei- oder Vierjährige in den ersten Tagen beim Abschied weinen. Abschied ist mitunter schmerzhaft. Fast immer lassen sie sich nach wenigen Minuten ablenken. Immerhin hat der Kindergarten eine Menge zu bieten: Bauecke, Puppenecke... und: andere Kinder! In unserer Einrichtung dürfen (und sollen!) die Mamas oder Papas in den ersten Tagen mit in der Gruppe sein. Das gibt sowohl den Kindern als auch den Eltern Sicherheit. Eltern erleben, wie wir mit den Kindern umgehen, lernen unsere Abläufe und Regeln kennen. So entsteht Vertrauen.
Wichtig ist auch, die Kinder nicht gleich am Anfang über Mittag oder länger in der Kita zu lassen. Auch Dreijährige sind nach ein paar Stunden müde! So viele neue Eindrücke, Menschen, Spiele, Abläufe...das schafft! Besser, sie gehen nach Hause bevor das große Heimweh einsetzt, denn dann kommen sie gerne am nächsten Tag wieder. Es ist so schön, wenn diese Kleinen dann beim Abholen strahlend sagen: "Und morgen komme ich wieder, ne!?"
Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Manche - vor allem, wenn sie größere Geschwister haben - können ihren dritten Geburtstag kaum abwarten, um endlich wie die 'Großen' in die Kita gehen zu können. Andere sind erst mit vier Jahren soweit.
Noch ein unserer Meinung nach wichtiger Gesichtspunkt: Im Gegensatz zu den meisten Kitas haben wir uns bewusst für das geschlossene Konzept entschieden. Das heißt, die Kinder haben eine feste Gruppe mit festen Bezugspersonen. Uns ist es wichtig, eine gute Beziehung zu den Kids aufzubauen, denn das ist DIE Grundlage für eine gute Entwicklung bzw. das Lernen. Schon mehrmals sind Kinder aus Kitas mit einem offenen Konzept zu uns gewechselt, weil die Eltern merkten, dass ihr Kinder dort 'untergehen'. Ein fester und zuverlässiger Tages- und Wochenablauf, eine feste Gruppe mit zuverlässig da seienden Erzieherinnen/Erziehern gab diesen Kindern den sicheren Rahmen, um regelrecht aufzublühen.
Eltern sollten sich auch genau das Menschenbild, die Inhalte, Werte, Weltanschauungen, Ideologien etc. anschauen, die in der Kita vermittelt werden! Lieber einen weiteren Weg zur Kita in Kauf nehmen, wenn man eine gute Einrichtung gefunden hat. Sie dürfen und sollten genau hinschauen, wem Sie ihre Kinder anvertrauen!
Vor ein paar Jahren erzählte eine angehende Kinderpflegerin von der Kita (Kinder ab einem Jahr), in der sie nach ihrer Ausbildung arbeiten würde: Den Mitarbeiterinnen war es untersagt, Kinder auf den Schoß oder in den Arm zu nehmen oder auch nur die Hand auf die Schulter zu legen, wenn diese weinen und die körperliche Nähe zur Erzieherin von sich aus suchen, um sich trösten zu lassen. Grauenhaft! Begründung: die Kinder sollen keine Bindung zu den Erziehern aufbauen sondern zu den Eltern. Die Frage ist, wie? Immerhin sind viele von den Kleinen den ganzen Tag NICHT bei den Eltern...
Es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn einerseits immer wieder und immer mehr die Rede davon ist, Tiere artgerecht zu halten und andererseits immer mehr kleine Menschen unter drei Jahren überhaupt nicht 'artgerecht' aufwachsen sollen! Kleine Ferkel sollen stressfrei aufwachsen mit viel Platz...Natürlich bin ich für artgerechte Tierhaltung!!! Aber wie man die neuesten Ergebnisse der Hirn- und Entwicklungsforschung bei Kindern so völlig ignorieren kann, ist mir ein Rätsel!